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Nachsicht oder Strenge?

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sandrui
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Hallo,

Moritz ist ja seit 3 Wochen großer Bruder. Er ist sehr stolz auf seine Schwester und mit ihr auch sehr liebevoll, worüber ich mich sehr freue. Das sage ich ihm auch und lobe ihn dafür.

Dass die Ankunft seiner Schwester dennoch eine große Umstellung für ihn bedeutet, ist mir völlig klar und ich habe auch großes Verständnis dafür. Dennoch bin ich wegen seines Benehmens teilweise etwas ratlos. Er zieht sich, seit Merle da ist, viel zurück und hört Hörspiele in seinem Zimmer, schaut sich Bücher an und spielt viel allein. Wir werden manchmal direkt aus dem Zimmer geschickt und Angebote für gemeinsames Spielen/Basteln/Unternehmungen werden von ihm abgelehnt. Wir versuchen uns soviel Zeit wie möglich für ihn zu nehmen und beziehen ihn in vieles ein.

Nun ist er teilweise ungewohnt trotzig und motzig und auch frech und teilweise etwas bösartig. Er haut in meine Richtung (ohne mich wirklich hauen zu wollen), wenn ich ihn Konsequenzen seines Handelns spüren lasse oder erstmal nur "androhe". Dann wird er wütend und sagt irgendwas Unsinniges.

Im Kiga ist er jetzt Vorschüler und von den Erziehern heißt es, wir als Eltern sollen den Kindern nichts mehr machen, sondern sie alles allein erledigen lassen, weil sie es in der Schule eben können müssen. Moritz ist feinmotorisch etwas hinterher (bekommt auch Ergo) und stellt sich bei vielen Dingen (Knöpfe zumachen, kleine fummelige Sachen) etwas an. Wenn wir ihm nicht mehr helfen, sondern ihm höchstens zeigen, wie er es hinbekommt, ist er sehr unwillig und wird böse auf uns.

Er scheint nicht zu verstehen, dass er mich mit seinem Verhalten verletzt und ich darüber traurig bin. Er sagt dann, wenn ich später versuche mit ihm darüber zu reden, dass ich es doch einfach vergessen soll. Seine Wiedergutmachversuche bestehen darin, dass er mir Schokolade oder etwas "Gekochtes" aus seiner Kinderküche bringt. Ich will ja aber keine Schoki, sondern lieber Einsicht und ernsthaftes Bedauern.

Und nun frag ich mich, ob ich in Anbetracht der neuen Situation mit der kleinen Schwester eher nachsichtig sein und bestimmten Situationen vielleicht einfach aus dem Weg gehen sollte oder ob ich ihm jedes Mal seine Grenzen zeigen muss und dabei aber riskiere, ständig bei ihm anzuecken und für eine gewisse Zeit den ganzen Tag schlechte Stimmung zu haben.

Falls er sich zurückgesetzt fühlen sollte, sagt er dies nicht und ich kann ihm ja keine Beschäftigung mit mir ans Bein binden, wenn er die nicht will!

Wer hat Erfahrung oder ein paar gute Tipps, wie ich besser an ihn ran und mit ihm klarkomme? Wir hatten bislang immer ein sehr gutes, enges und liebevolles Verhältnis, was ich zwar auch nicht ernsthaft in Gefahr sehe, aber die Situation ist ziemlich anstrengend.

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Ich denke es ist ein bisschen viel für ihn an gleich 2 wichtigen Stationen in seinem Leben in neue Situationen zu kommen, ich würde das mit dem Selbermachen nicht so eng sehen.

Man weiss doch auch, dass die größeren Geschwister häufig dann nochmal in Kleinkindhaftes Verhalten zurückfallen, wenn ein neues Kind da ist, und gewöhnlich wird dann gesagt, man soll sie machen lassen, damit sie merken, dass sie noch genauso viel Zuwendung bekommen wie vorher.

VG Juni

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ich denke auch, 3 wochen ist noch keine zeit, um sich in die neue situation einzufinden....und sein zurückziehen, ist wohl seine art, sich damit auseinander zu setzen, ich würde ihm das spielen und basteln immer wieder anbieten und ich denke, nach ner zeit kommt er vielleicht von alleine darauf zurück...sonst bleibt dir wohl nicht viel übrig, als abzuwarten...und das mit der schoki finde ich schon recht süß....denn ich denke, er weiß noch nicht 100%, dass er dich mit seinem verhalten verletzt...

und vielleicht siehst du das verhältnis mit ihm nicht in gefahr, aber er muss seine eltern jetzt teilen....

alles gute für euch

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Einsicht und ernsthaftes Bedauern von ihm zu verlangen ist glaub ich noch ein bisschen viel verlangt. Sein Stadium des Einsehenkönnes ist mit seinen Entschuldigungsversuchen sicher schon weitestgehend ausgeschöpft. Für mehr ist er einfach auch als Vorschüler noch zu klein.

Die Föhigkeit zur Empathie entickelt sich erst so ungefähr mit dem 6. Lebensjahr so weit, dass dein Sohn wirklich "versteht" dass er dich verletzt. Du lässt es ihn zwar merken, aber er kann sich noch nicht weit genug in dich hinein versetzen, damit das auch so ankommt wie du denkst.

Und wie Juni schreibt, sind es jetzt ja 2 neue Situationen, die dein Sohn sicher schwer trennen kann. Ihr helft ihm weniger, was zu der Situation als Vorschüler gehört, aber von ihm sicher auch mit der anderen Situation als "großer Bruder" in Verbindung gebracht wird.

Das ist sicher nicht einfach. Mit zu viel Strenge wirst du wahrscheinlich nicht weiter kommen, aber dauernde Nachsicht ist auch nicht das, was dein Sohn und du jetzt braucht. Den passenden Mittelweg zu finden ist sicher nicht leicht, aber das kann dir keiner abnehmen und du als Mama wirst wohl das Richtige tun, wenn du auf dein Bauchgefühl in der entsprechenden Situation hörst.

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ganz spontan würde ich sagen, dass ihr das mit dem weniger helfen ruhig noch aufschieben könnt ;) gewöhnt euch erst mal an ere neue familienkonstellation, alles weitere dann später.

zum thema strenge bzw. nachsicht: seid nicht zu streng, aber passt auf, dass ihr gewisse grenzen nicht überschreitet. viel reden, viel erklären. wenn er sich zurück zieht, dann ist es eben seine art, damit umzugehen. völlig normal. es gibt eben verschiedene wege, damit umzugehen. ich würde ihn dann auch nicht drängen, jedoch immer wieder zeigen, dass er mir genau so wichtig ist, wie es vorher der fall war. nicht, dass er sich zu sehr zurück zieht.

naja, das meiste wird dir sicher eh klar sein :D drück dich mal!

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Ich schließe mich fraulehrerin an. Ich würde da auch nicht zu nachsichtig sein, sondern auch darauf bestehen, dass er z.B. sein Hemd selbst zuknöpft, auch wenn er dann böse ist. Erkläre ihm wies geht, probiers mit ihm zusammen, aber übernimm nicht alles. Zum Beispiel könntest du anfangs jeden 2. Knopf noch zu machen, später dann jeden 3.

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Danke euch allen für die Antworten!

Es beruhigt mich etwas, dass ihr es so zu sehen scheint wie ich!

Und danke, fraulehrerin, für die Erklärung, dass er zu mehr Empathie noch nicht in der Lage ist, das hilf mir dann schon erstmal, ihn besser zu vestehen.

Heute wars viel besser. Ich war am Nachmittag mit ihm in seinem Zimmer, wir haben bisschen was gespielt und er war ausgesprochen kooperativ.

Knöpfe lassen wir ihn immer knöpfen, machen aber immer den, an den man am schwierigsten rankommt. Wir machen ja auch fast jeden Tag Übungen für die Fein- und Grafomotorik, da hat er heute auch toll mitgemacht. Generell hat er große Fortschritte gemacht, seitdem wir ihn zu Sachen animieren, die er bisher vermieden hat, das machen wir schon seit ein paar Monaten.

Tigerchen, mein Postfach sollte nun leer sein. Schickst du's mir bitte nochmal? Danke!

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