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Leans Weg zu uns...

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Sina.
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Meine Schwangerschaft verlief vorbildlich. Es war immer alles gut, ohne Komplikationen oder Zwischenfälle. Bereits am 3. Dezember, in der 34. SSW, war das Köpfchen im Becken (abschiebbar) und der Bauch senkte sich allmählich. Alles blieb so und der Frauenarzt war sehr zufrieden. Anfang Januar spürte ich auch des Öfteren Senk- und Übungswehen und so ging ich jeden Abend gespannt ins Bett und wartete darauf dass es losging. In der Zwischenzeit fieberten wir alle mit Pumuckl mit, die schon einige Tage über dem ET war. Zu dieser Zeit machte ich mir das erste Mal Gedanken über eine Einleitung. Es ging steil auf den 16. Januar zu, den voraussichtlichen Entbindungstermin. Mein Arzt beteuerte immer wieder dass alles nach "Startklar" aussah und die Anrufe der Familie häuften sich. "Du bist ja immer noch da!?" Ab ET musste ich täglich zum Arzt, es wurden regelmäßig die Herztöne, Fruchtwassermenge und der Muttermund untersucht. Es sah alles nach baldiger Geburt aus und Lean war noch immer gut versorgt. Das CTG verzeichnete Wehen, der Gebärmutterhals war weg, der Muttermund fingerdurchlässig, das Köpfchen fest und das Kind hatte die ideale Startposition. Mein Arzt wunderte sich jeden Tag dass ich wieder auf der Matte stand. Lean dachte nicht im Geringsten daran seinen Logeplatz zu räumen. Am 27. Januar (ET+11) meldete mich der Frauenarzt zur Einleitung am folgenden Tag in der Klinik an. Nachmittags bekam ich Muffensausen, der Gang am nächsten Tag kam mir plötzlich vor wie der Weg zur Schlachtbank. Am Abend ging ich ein letztes Mal zum GvK wo mir die Hebamme und eine weitere Teilnehmerin Mut zu sprachen.

Donnerstag, 28. Januar 2010 (ET+12):

Um 11.00 Uhr sollte ich in der Klinik sein. Ich packte meine wichtigsten Sachen ein und fuhr mit dem Bus in die Stadt, wo ich mir noch ein großes Frühstück gönnte. In der Klinik angekommen wurde ich von einer Hebammenschülerin aufgenommen, untersucht und ans CTG gehängt. Nach einer Weile war Schichtwechsel und die Untersuchungen wurden von einer weiteren Hebammenschülerin und einer Hebamme wiederholt. Das CTG musste auch wiederholt werden. Insgesamt wartete ich bis ca 16.00 Uhr bis mal eine Ärztin kam und ein Aufnahmegespräch mit mir führte. Sie sagte es sei viel los, viele Frauen seien zur Einleitung da, es wären keine Betten mehr frei und man prüfe nun wer wieder gehen darf. Ich deutete an dass ich gerne wieder nach Hause gehen würde, ich hatte keine Lust mein Kind am Fließband zu bekommen. Doch die Ärztin brabbelte was von ich sei schon weit überm ET.... Als nächstes wurde ein Ultraschall gemacht, Lean wurde auf etwa 3400 Gramm geschätzt. Kurz danach bekam ich einen Wehencocktail und ging etwas an die frische Luft. Als ich zurück kam wurde ich für die Nacht in einem Kreissaal untergebracht, da nicht genug Betten auf Station frei waren. Mein Mann war inzwischen auch gekommen und hatte meine restlichen Sachen mitgebracht. Ich hatte etwas Wehen die auf dem CTG zu sehen waren aber schmerzhaft waren diese nicht. So gammelten wir beide totmüde bis etwa Mitternacht rum bis ich meinen Mann nach Hause schickte.

Freitag, 29.Januar 2010 (ET+13):

In der Nacht, etwa gegen 4.00 Uhr, wachte ich von leichten Wehen auf. Ich wurde zum x-ten Mal ans CTG gehängt aber mehr geschah auch nicht. Ich schlief noch bis zum Frühstück und wurde dann in die Schwangeren-Abteilung verlegt. In dem Zimmer lagen 3 junge Frauen, alle zwischen der 26. SSW und 33. SSW. Die 3 waren sehr nett, es ging lustig im Zimmer zu und ich fühlte mich wohl dort. Um 9.00 Uhr wurde eine Tablette gelegt. Darauf folgten alle 2 Stunden weitere CTGs. Gegen Mittag kam mein Mann und langsam hatte ich leichte Wehen. Deutlicher machten sich diese auf dem CTG bemerkbar. Die Wehen waren überhaupt nicht schmerzhaft, ich musste sie nicht einmal veratmen. Am Nachmittag wurden 2 der Frauen entlassen und ich teilte das große Zimmer nur noch mit einer Frau. Es muss zu dieser Zeit gewesen sein dass ich mich nur noch im Stehen und Laufen wohl gefühlt habe, sobald ich mich setzte oder hinlegte hatte ich Schmerzen. Die Wehen wurden langsam stärker, bald konnte ich während einer Wehe nicht mehr sprechen aber es war noch gut zu veratmen. Wir schauten einen Film auf dem Laptop an, wurden hin und wieder zum CTG unterbrochen oder gingen eine Runde laufen. Ab und an kam eine Hebamme und fragte wie es mir ginge. Irgendwann gegen Abend wurde dann der Muttermund untersucht. Ich war etwas enttäuscht dass er erst etwa 1 cm geöffnet war. Die Hebamme gab uns Zäpfchen gegen die Schmerzen und etwas was die Nase frei machen sollte. Die Wehen wurden stärker und ich bemerkte auf der Toilette dass der Schleimpfropf abgegangen war. Irgendwann überredete mich mein Mann zu einem der Zäpfchen, ich bemerkte nicht in welchem Tempo die Wehen stärker wurden, aber er. Etwa gegen 21.00 Uhr (es muss nach 20.00 Uhr gewesen sein, denn meine Zimmergenossin schaute einen Film) untersuchte die Hebamme der Station erneut den Muttermund, er war nun 3 cm offen. Ich war etwas ernüchtert denn ich dachte es liefe besser. Kurz darauf wurde mir übel, ich bekam Durchfall und Schüttelfrost. Mein Mann bat mich oft mich auszuruhen, ich konnte aber nicht sitzen oder liegen, nun war ich bereits gute 9 Stunden auf meinen Füßen unterwegs. An die nächsten 2 Stunden habe ich nur noch die wenige Erinnerung dass mir kalt war und ich dauernd Schüttelanfälle hatte. Die Hebamme erkundigte sich wohl häufiger nach mir, mein Mann drängelte nun auf den Kreissaal und mir war alles wurscht. Nach dem Schichtwechsel um 23.00 Uhr sollten wir dann in den Kreissaal verlegt werden. Mir war immer noch alles wurscht und ich trottete halt meinem Bett hinterher. Ich glaube der Gang dorthin dauerte eine kleine Ewigkeit da ich dauernd stehen bleiben musste während der Wehen.

30. Januar 2010 (ET+12):

Im Kreissaal angekommen sollte ein CTG geschrieben werden. Ich bat darum dass ich stehen bleiben dürfe - nein, ich weigerte mich hinzuliegen. Die für uns zuständige Hebammenschülerin war sehr lieb und beteuerte mir dass ich tun könne was ich wolle. Mein Mann reichte mir in jeder Wehenpause das von mir geforderte Wasser und während der Wehen hielt ich mich an diesem Tuch, das von der Decke hing, fest. Ich spürte heftigen Druck auf den Darm, das war ein unheimliches Gefühl. Viel weiss ich nicht mehr davon, es ist alles sehr verschwommen. Nach der ersten sehr, sehr heftigen Wehe kreisten meine Gedanken um die letzte Untersuchung des Muttermundes mit nur 3 geöffneten cm und da wollte ich nur noch eine PDA. Dass die Geburt schon dem Ende zuging realisierte ich nicht. Durch das stundenlange Laufen habe ich die Endphase wahnsinnig beschleunigt, damit hatte keiner gerechnet. Diese Wehe hat mich umgehauen und ich konnte mich, gerade so wie ich stand, auf das Bett fallen lassen. Dann schlief ich ein und wurde während dessen 3x von diesen heftigen Schmerzen geweckt. Ich bat – besser forderte- die Hebammenschülerin um eine PDA. Sie und mein Mann überredeten mich zuerst in die Wanne zu gehen und ich willigte ein. Sobald ich im warmen Wasser lag wurden die Schmerzen erträglicher, es fühlte sich an als ob sich eine starke Verspannung löste. Doch kaum im Wasser hörte ich wie die Fruchtblase platze und ich hatte Pressdrang. Im Bericht der Klinik war der Fruchtwasserabgang um 0.40 Uhr vermerkt. Ich bekam Panik und wollte sofort aus der Wanne. Die Schülerin wurde etwas hektisch und klingelte nach Verstärkung. Mein Mann hievte mich aus der Wanne was er noch ein paar Tage danach im Rücken spürte.

Eine etwas ältere Dame kam und stellte sich als unsere Hebamme vor. Die Frauen trockneten mich leicht ab und fragten ob ich etwas anziehen möchte. Ich forderte von meinem Mann das Longshirt aus meiner Tasche. Er hat das richtige Shirt nicht gefunden, ich war genervt und wollte dann auch nichts mehr davon wissen. Nun sollte ich mich auf das Bett legen und die Beine anwinkeln was ich alleine nicht mehr geschafft habe. Das stundenlange Laufen hatte jegliche Kräfte verbraucht, weshalb auch, laut Aussage der Hebamme, später die Gebärmutter schlapp machte. Auch die Pressphase kam mir, wie die meiste Zeit, sehr kurz vor. Allerdings brauchten wir trotzdem noch eine gute Stunde vom Abgehen des Fruchtwassers bis Lean da war. Das Pressen habe ich als nicht schmerzhaft in Erinnerung. Aus der Theorie wusste ich dass einige Hebammen der Gebärenden im Spiegel zeigen wenn man das Köpfchen sieht um die Frau zu motivieren. Auch unsere Hebamme hantierte mit dem Spiegel. Eigentlich wollte ich nicht hinschauen aber in diesem Moment wars mir egal und der Anblick war in keinem Fall so erschreckend wie ich ihn mir vorstellte. Dennoch, motiviert hat mich das in dem Augenblick überhaupt nicht, ich dachte nur "shit.... das braucht ja noch ewig..."

Lean rutschte immer wieder zurück, es war kein vorankommen mehr möglich da, wie schon erwähnt, die Gebärmutter nicht mehr die Kraft hatte, die sie benötigt hätte, um selbständig die Arbeit zu verrichten. Ich glaube es wurde mir etwas gespritzt - wie ich mich erinnere Oxytocin um die Wehentätigkeit anzuregen. Aber das kann ich mit Sicherheit nicht bestätigen. Eine Ärztin kam hinzu und legte sich mit voller Wucht auf meinen Bauch. Davon weiss ich nichts mehr aber meinem Mann blieb es als Gewaltakt in Erinnerung. Ich spürte wie sich Lean immer wieder gegen meinen Rippenbogen stemmte was mir die Luft raubte. Durch die Maßnahmen muss das Köpfchen wohl langsam zu fassen gewesen sein als nichts mehr ging. Da zog die Hebamme Lean ohne Wehe raus, was mir üble Schmerzen bereitete und ich flehte darum damit aufzuhören. Letzendlich wars aber damit vorbei und mein Sohn Lean erblickte um 1.45 Uhr mit 3980 Gramm, 54 cm Körpergröße und 34,5 Kopfumfang die Welt.

Ich blickte nach unten und sah ihn, er war garnicht blau und schaute verdattert in meine Richtung. Ja, er schaute von diesem Augenblick ganz wach in die Welt. Es war ein anderes Gefühl als das was ich erwartet habe. Ich dachte ich kenne das Kind, das seit 42 Wochen meinen Bauch unsicher machte. Trotz, dass ich mir kein Bild von ihm gemacht hatte, war ich überrascht und schaute ihn wohl genauso neugierig an wie er mich. Dann wurde mir mein Sohn auf den Bauch gelegt und er schaute immer noch ganz still und erwartungsvoll.

Die Nachgeburt bereitete mir abermals Schmerzen, ich war tierisch sauer weil es immer hieß dass man die nicht mehr spüre. Auch die Untersuchungen und das Nähen (ich hatte zum Glück keinen Dammriss) konnte ich kaum ertragen. Jede Berührung ansich hatte ich nun satt. Nachdem ich und Lean versorgt waren durfte ich in mein Bett legen und Lean wurde mir an die Brust gelegt. Er hats nicht gleich geschafft aber er war so süß und fix und fertig. Die Ärztin, die Hebamme und die Schülerin ließen uns alleine. Mein Mann legte sich auch quer aufs Bett, es dauerte nicht lange dann schliefen wir alle drei. Die Schülerin kam ab und zu um nach uns zu schauen. Irgendwann weckte sie uns, anwesend war nun auch die Hebamme.

Es war zwischen 5.00 und 6.00 Uhr als man mir erklärte dass Lean nicht richtig atmete. Ich war total verwirrt als plötzlich auch zwei Kinderärzte im Raum standen und Lean mitnahmen. Einerseits war ich froh dass ich ihn versorgt wusste andererseits musste ich einfach nur weinen. Mein Mann ging mit zur Neantologie wo sie Lean hinbrachten, mich schoben sie auf Station.

Nach 8 Tagen - gefühlte 8 Jahre - durften wir als kleine, gesunde Familie endlich nach Hause gehen.

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