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Schreiambulanz II


Mary Martini

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***

Zweiter und dritter Hausbesuch

Katja war inzwischen noch zwei Mal da und langsam kristallisiert sich heraus, dass es sich wirklich um eine Art Gesprächstherapie mit Entspannungsmassagen handelt. Das klingt zunächst wirklich nach nicht viel. Aber allein das Wissen, dass da jemand ist, der deine Probleme nachvollziehen kann und dir geduldig zuhört, hilft schon sehr.

Linus ist Katja gegenüber schon offener geworden und ließ sich beim letzten Mal sogar auf den Schoß nehmen und seine Massage bekam er auch.

Papa war auch an der Reihe und es hat ihm sehr gutgetan. Und wenn es meinen beiden Männern gutgeht, geht es mir auch gut.

Katja erzählt vieles, was ich schon wusste oder irgendwann mal gelesen/gehört habe, aber es zu wiederholen und darüber zu diskutieren, vertieft dieses Wissen noch einmal und hilft, es besser zu verinnerlichen. Zum Beispiel, dass Babys nun mal keine andere Möglichkeit haben, sich bemerkbar zu machen, wenn ihnen etwas ganz und gar nicht behagt. Während wir aussprechen können, was uns nicht gefällt, kann ein Baby nur weinen oder, wenn es ganz schlimm ist, schreien. Ich wusste das natürlich, aber sich das zu verdeutlichen, ändert schon noch mal die Sichtweise darauf.

Gut, Linus ist sensibel und stört sich an Dingen, die andere Babys kalt lassen würden. Er muss sich also öfter melden, weil ihm öfter etwas nicht gefällt. Aber das ist ja auch sein gutes Recht. Er ist noch so auf unsere Hilfe angewiesen und er darf durchaus verlangen, dass wir, die ihn lieben, ihn in für ihn schlimmen Situationen unterstützen.

Wenn er das nächste Mal im Kinderwagen schreit, werde ich mehr Verständnis für ihn haben. Ich kann nur erahnen, was ihm dann nicht gefällt, aber ich fühle mich besser, wenn ich es einfach akzeptiere.

Das gilt für die Probleme beim (Ein-)schlafen allerdings nicht so. Wir haben nach wie vor große Probleme damit und ich weiß einfach nicht, warum er sich so schwer tut. Warum er gegen Müdigkeit so kämpfen muss, einfach nicht loslassen kann. Je müder er ist, desto mehr wird er von allem eingenommen, was um ihn herum ist; alles zieht seine Aufmerksamkeit auf sich, und obwohl er kaum noch die Augen offenhalten kann, muss er es erforschen. Das ist sehr anstrengend für alle Beteiligten. Wir haben in dem Bereich auch noch keine Fortschritte gemacht. Es gibt wenige gute Tage, an denen das Einschlafen prima klappt, aber die meisten Tage sind schlecht und jedes Einschlafprozedere eine Qual. Da hilft das schönste und beruhigendste Ritual nicht (mehr).

(Ich singe Linus sehr viel vor; bis vor ein paar Wochen konnte ich ihn immer zumindest für kurze Zeit beruhigen - nun hilft auch das nichts mehr ...)

Manchmal möchte ich alles hinschmeißen, mir die Decke über den Kopf ziehen und ein "Bitte nicht stören"-Schild an mein Leben hängen. Ich bin so müde. Nicht nur körperlich, auch geistig. Manchmal - nicht immer - komme ich mir vom Schicksal ungerecht behandelt vor.

Dann aber gibt es wieder Tage, an denen ich mit einem positiven Gefühl in die Zukunft blicke. Gestern habe ich hier im Forum massenhaft moralische Unterstützung und viele Tipps bekommen - das hat mich sehr aufgerichtet. Dazu gab es einen schönen Tag und eine Nacht, in der ich nur vier Mal gestillt habe und Linus nur einmal gebrüllt hat. Wenn es solche Nächte nicht gäbe ... aber es gibt sie, ja, tatsächlich. Und eigentlich kann doch die Zeit nur für uns arbeiten? Eines Tages wird Linus in Worte fassen können, was ihn stört. Ich werde ihn besser trösten können und er wird sicher nicht mehr so viel schreien müssen. Ich freu mich so sehr auf diese Zeit ...

Ich warte ab, wie Katjas weitere Hilfe sich auf unsere Situation auswirken wird - ob es eine grundlegende Verbesserung geben wird oder ob wir doch noch etwas anderes ausprobieren müssen. Und von den Tipps, die ich gestern bekommen habe, werde ich den einen oder anderen mitnehmen, um mir/uns kurzfristig das Leben ein wenig leichter und angenehmer zu machen.

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9 Comments


Recommended Comments

Klingt irgendwie positiv. :)

Schön. Sehr schön. :)

Versuch dir das zu behalten. Denk immer wieder daran, wie es sich anfühlt.

Ich bin überzeugt, dass Linus das auch spürt. Und das wird ihn auch wieder ruhiger machen.

Hab ich selber festgestellt. Geht es mir nicht gut, dann ist Liam auch anstrengender. Eine teuflische Spirale ist das. Und nur wir selber haben die Macht das zu unterbrechen. Die Babys haben das nicht. Deshalb will Katja wohl auch euer allgemeines Wohlbefinden steigern denk ich mir. Gut. :yes4:

Mal ne Frage zum Einschlafen. Was macht ihr da denn?

Ich mach eigentlich nicht viel. Liam bekommt seinen Brei, wird umgezogen und hingelegt. Ohne viel Tamtam und sogar die Spieluhr habe ich aus seiner Reichweite entfernt. So schläft er wesentlich ruhiger ein. Und er ist ja auch so ein neröses aufmerksames Kerlchen. Vielleicht nicht so arg wie Linus, aber deine Beschreibungen kommen mir schon irgendwo bekannt vor.

Ihr seid auf einem guten Weg denke ich.

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:)

Ja, es hängt tatsächlich so viel von der Verfassung der Eltern ab ... ich hab so oft gedacht, ich wäre ja ganz ruhig! Wahrscheinlich habe ich mir da selbst ein bisschen was vorgemacht und war eigentlich die ganze Zeit doch angespannt. Es ist aber auch schwer, es nicht zu sein, ganz schön schwer.

Wir haben auch kein großartiges oder aufwändiges Einschlafritual. Abends: Wir/Ich bringe ihn ins Bett, wenn wir merken, es ist Zeit. Putzen die Zähne, dann bekommt Linus seinen Schlafsack angezogen, dann lege ich ihn auf seine Schlafseite, dimme das Licht und stille ihn. An guten Abenden schläft er dabei ein. Ich bleibe noch ein paar Minuten mit liegen und schleiche mich dann aus dem Zimmer.

An weniger guten Tagen ist er nach dem Stillen noch wach und schaukelt sich aus der anfänglichen Müdigkeit wieder hoch. Ich singe ihm (inzwischen nicht mehr allabendlich, aber hab ich lange gemacht) die vier Strophen von "Weißt du wieviel Sternlein stehen" vor. Wahlweise auch ein Lied von Marianne Rosenberg, auf das er immer ganz scharf war (so isser halt *g).

Das Singen lullt ihn inzwischen nicht mehr ein und spätestens jetzt wird die Situation unschön - er reibt sich die ganze Zeit die Augen, aber muss unbedingt an allem, was er in die Finger bekommt, spielen oder nuckeln - Decke, Laken, Mamis Ärmel ... - und dann beginnt er zu weinen und innerhalb weniger Sekunden zu schreien. Und das zieht sich dann hin - manchmal nimmt er dann noch mal die Brust und schläft doch ein, oft nicht. Das einzige, was am Ende vielleicht noch hilft (ich mache es nicht gern, aber ich weiß uns nicht anders zu helfen), ist, wenn ich ihn fest im Arm halte, sodass er sich nicht mehr hin- und herwerfen kann, dann rede ich entweder leise mit ihm oder streichle seinen Kopf, während er sich die Seele aus dem Leib schreit. Manchmal schläft er nach einer Weile ein (er ist ja auch todmüde); wenn er sich gar nicht beruhigt, trägt Papa ihn herum, bis er sich wieder beruhigt hat. Dann lege ich ihn noch mal an und er schläft. Im schlimmsten Fall sind 1 1/2 oder 2 Stunden vergangen ...

Tagsüber läuft es genauso, nur ohne Zähneputzen und ohne Schlafsack.

Wir spielen auch vor dem Schlafen nicht übermäßig oder setzten ihn vielen Reizen aus. Anders ist das, wenn er bei Oma und Opa ist und Opa frei hat - der kann nicht verstehen, dass Linus so reizbar ist und überfordert ihn oft, da können wir hundertmal sagen, dass er weniger machen soll. Da schreit Linus auch immer, wenn es ans Schlafen geht.

Oh Mann, das ist länger geworden als ich wollte. :o

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Ist doch egal wie lang Mary.

Das mit dem Hochschaukeln kenn ich auch. Hatten wir hier auch schon öfter bei Liam. Kannte ich vom Großen ja gar nicht.

Und ich hab es dann auch so gemacht. Ihn fest in den Arm genommen und geschunkelt und gewiegt (und fast mitgeheult :o). Wie nennt man das? Begleitetes Ausschreien? Oder wie auch immer. Hauptsache man war da. Ich hab dann auch immer leise und ruhig mit ihm gesprochen und wenns ging die Stelle zwischen den Augenbrauen gestreichelt. Hat in solchen Phasen aber eigentlich nie wirklich geholfen. Eher vorher, um die Schreiattacke zu verhindern.

Unser Glück ist der Schnuller. Der verhindert meist das Schlimmste. Aber ich hole auch recht oft den Bionuckel vor, wenn mal wieder so eine Phase kommt. :rolleyes:

Und ich nehme Liam jetzt auch immer recht schnell hoch, wenn ich merke er fängt an sich reinzusteigern und wiege ihn gleich. Das hat glaub ich schon einige Male das Schlimmste verhindert.

Was die eigene Ruhe/Unruhe angeht, musst du mal versuchen immer gaaanz tief in dich hineizuhören. Mach ich in Kriesen hier immer wieder und stelle fest, dass ich oft doch sehr weit weg bin von der inneren Gelassenheit, die doch gerade dann so wichtig wäre. Dann hole ich gaaanz tief Luft und konzentriere mich kurz auf mich selbst. Irgendwie wird es dann immer ein wenig besser, ein wenig leichter.

Irgendwo hast du es schon einmal geschrieben. Man muss sein Baby so annehmen wie es ist. Das ist natürlich besonders schwer, wenn es so ist wie dein Linus (oder auch wie mein Liam :rolleyes:).

Aber am Ende nutzt alles nichts. Sie sind noch viel zu klein, als das wir sie nach unseren Wünschen formen könnten, also müssen wir lernen zu akzeptieren. Jede einzelne Macke von ihnen.

Ich lerne z.B. gerade zu akzeptieren, dass meiner hier immer mal wieder seinen Brei wieder ausspucken muss. Eigentlich macht es mich wahnsinnig, aber weil ich nichts dran ändern kann, muss ich es wohl akzeptieren. Und es funktioniert. Ich rege mich immer weniger auf, sondern mache die Sauerei einfach nur noch weg. Ich bin dadurch ruhiger und Liam auch. Während der die ersten Male dann noch angefangen hat zu heulen, weil ich so aufgebraust bin (ohne das bewußt zu merken), guckt er mir inzwischen nur noch zu, grinst und erzählt mir was. :rolleyeso:

Ich schreib das hier alles, weil ich denke dir damit ein wenig helfen zu können. Du bist ganz sicher nicht allein. Vieles, was du beschriebst kenne ich, wenn auch vielleicht nicht so ausgeprägt. Und vielleicht kann das eine oder andere meiner Mittel dir/euch ja auch helfen.

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Du hilfst mir, mich nicht mehr so alleine zu fühlen. Ja, das ist richtig - man kann nicht anders als die Kleinen zu akzeptieren. Was soll man auch sonst tun? Das ist etwas, das man immer und immer wieder üben muss und es wird immer wieder Momente geben, wo man sich einfach nur fragt, warum in Gottes Namen das jetzt so sein muss?!

In mich hineinhorchen ... das ist ein sehr guter Rat, den ich bei der nächsten Gelegenheit befolgen werde. Ich bin von Natur aus ein ungeduldiger Mensch; ich werde unruhig und gereizt, wenn etwas nicht gleich funktioniert. In dem Punkt muss ich an mir arbeiten.

Ob Liam und Linus sich gut verstehen würden ...? *g* Ich könnte es mir fast vorstellen. Zwei Wirbelwinde ...

Ich finde unseren Austausch sehr schön. Tut gut. :)

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ach mann, ihr beiden:(... ich frage mich oft und bezweifle echt, ob das "normale 0815mamis" wie ich wohl eine bin packen würden, was ihr so zu tragen und zu leisten habt:rolleyes:

das einzige was mir noch einfällt zum vorsingen ... maria schläft zwar inzwischen fast immer selber ein *michkaumschreibentrau*, aber sie war anfangs beim vorsingen nur dann zu beruhigen und zum schlafen zu bewegen, wenn ich ohne text gesungen hab, also nur gesummt und meist ziemlich tief ... oder ich hab mich übers bett gelehnt *auakreuz* und sie in meinen haaren "wurschteln" lassen und wange an wange die andre wange und kopf mit ner hand bedeckt und gestreichelt - nach 10-15minuten konnt ich dann meistens weg ... weiß nicht ob das zu "primitiv" für eure beiden "rabauken" ist, aber ich dacht mir ich schreibs einfach mal ...:confused:

und nochwas ... kennst du "fraulehrerin" hier im forum? die hat nämlich auch seit fast nem jahr so ein kleines "nachtgespenst" wie du, mary:rolleyes:

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Den Nick hab ich schon gelesen - werde mich mal auf die Suche nach Beiträgen von ihr machen.

Und du musst dich nicht zurückhalten, wenn es um deine brave Maus geht! Es freut mich doch, wenn es auch anders geht, das gibt mir Hoffnung fürs nächste Blag ... ;) Es ist total super, dass Maria so ein unkompliziertes Baby ist. Und du bist ganz sicher keine "0815-Mama"! *schimpfen muss* So'n Quatsch.

Das mit den Haaren (aua) werd ich mal probieren - Linus reißt mir sehr gern welche aus - ob er es auch machen will, wenn es ans Einschlafen geht, wird sich zeigen. *g* (Ich freu mich jetzt schon, aua ...) Und das Summen, mal sehen. Ich bin für fast jeden Tipp dankbar. ;)

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Dann hab ich auch noch einen für dich.

Hab ich erst gestern und auch heute wieder festgestellt. :rolleyes:

Wenn ich Liam im Arm habe und er Schwierigkeiten hat sich zu beruhigen, dann leg ich noch meine Hand einfach auf seine Wange und dann klappt es eigentlich prima mit dem ruhiger werden.

Ansonsten liebt der Junge es, an meinen Fingern rumzufummeln wenn er Schwierigkeiten beim Einschlafen hat.

Man probiert fast alles und eh man die Vorlieben des eigenen Babys herauszufinden dauert leider manchmal verflucht lange. Und hat man dann was gefunden, ändern die die dann auch ganz gerne mal wieder und man fängt von vorne an. :ugly::o

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Linus lässt sich in solchen Momenten eher ungern anfassen, hab ich festgestellt ... oft muss es dennoch sein, denn der Rabauke hat die Angewohnheit, sich so doll am/im Ohr zu kratzen, wenn er müde ist, dass es schon oft wie Sau geblutet hat! Deshalb lege ich ihm dann eine Hand aufs Ohr - dann kratzt er an meiner Hand herum und hätte sie am liebsten weg.

Aber ein Fummler ist er auch, besonders beim Stillen! Da kann er gar nicht still halten.

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