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Mein brüllender Rabauke - ein Leben mit "Schreibaby": Eine Art Einleitung


Mary Martini

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Dies ist der unwissenschaftliche und unprofessionelle Erlebnisbericht einer Mama, die sich nach der Geburt ihres Kindes in einer Situation wiederfand, auf die sie nicht vorbereitet gewesen war.

Kennt ihr die Dreierregel bei Schreikindern? Wenn dein Kind über drei Wochen an drei Tagen in der Woche drei Stunden schreit, dann hast du ein Schreikind. Ich persönlich gebe auf diese Definition nicht viel. Wenn dein Kind an zweieinhalb Tagen in der Woche für vier Stunden schreit oder in dreieinhalb Wochen an dreifünfzwölftel Tagen und du nicht weißt, wieso, weshalb, warum, dann hast du ein Problem, Regeln hin oder her. Wenn dein Baby brüllt, obwohl es satt ist, obwohl es eine frische Windel hat, obwohl es abgöttisch geliebt wird, obwohl ihm weder zu kalt noch zu warm ist; wenn dein Baby so laut brüllt, dass sein kleines Köpfchen aussieht wie eine dicke rote Tomate, seine Stimme nur noch ein heiseres Winseln ist und du nicht weißt, ob du darüber lachen oder weinen willst (ich habe beides getan, gleichzeitig), dann hast du ein Riesenproblem.

Ich nenne dieses Problem "Schreibaby", weil es gemeinhin so bekannt ist und jeder, der diesen Begriff liest, etwas damit anfangen kann. Dennoch bleibt es für mich ein Mysterium, dieses Schreibaby. Und die so wichtige Frage (auf die es tausend und keine Antwort zu geben scheint) lautet: WARUM. (oder von Zeit zu Zeit auch: Warum in Dreiteufelsnamen wir???)

Ist mein Kind so ein Schreihals, weil unser geliebtes Katerchen in den Anfängen meiner Schwangerschaft einen vollkommen unerwarteten Unfall in unserem Wohnzimmer hatte, der ihm einen beidseitigen Lungenriss beschert hat, an dem er noch am selben Tag gestorben ist?

Ist mein Kind so, weil Papa die Mama über Monate hinweg angeflunkert hat, dass er nicht mehr rauchen würde, während alle außer Mama wussten, dass das nicht stimmt, und als Mama es erfuhr, sie schwangerschaftshormongeplagt und enttäuscht mit dem nächstbesten Reisebus zu ihrer besten Freundin ins Nachbarland floh?

Vielleicht ist es auch so, weil ich zu viele Burger in der Schwangerschaft gefuttert hab (wer weiß das schon? Die alles zerstörende Macht der Cheeseburger ist sicher lange noch nicht hinreichend erforscht)?

Es könnte natürlich auch an der schweren Geburt liegen, während der wir von einer Hebamme begleitet wurden, die meiner bescheidenen Meinung nach ihren Beruf verfehlt hat, und die letztlich nach Geburtsstillstand in einem Kaiserschnitt endete.

Oder an den wochenlang andauernden Komplikationen danach, in der Mama ihr Baby nicht mal wickeln konnte geschweige denn für sich selbst sorgen konnte, weil sie vor Schmerzen nicht wusste, wohin. Zu viele Tränen, die geflossen sind und die Baby irgendwie loswerden, hinausschreien, musste?

Warum ein Baby zum Schreibaby wird, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Es kann so viele Gründe geben, und wenn sich einige dieser Gründe zusammenrotten, hat man den Salat. Wahrscheinlich war das auch in unserem Fall so. Bisher hat mir noch niemand eine befriedigende Antwort auf mein "Warum" geben können und wer weiß - vielleicht werde ich diese auch niemals bekommen. Fest steht, dass wir seit sieben Monaten, nämlich seitdem unser kleiner brüllender Rabauke Linus das Licht der Welt erblickt hat, irgendwie damit zurechtkommen müssen. Ich weiß, so wie uns geht es vielen anderen da draußen (auch wenn man das immer nicht so recht glauben mag und sich wahnsinnig allein fühlt, bevorzugterweise in dunklen Nächten, in denen man todmüde sein gepucktes, brüllendes Kind durchs Schlafzimmer trägt und sich fragt, wann die Nachbarn wohl das Jugendamt informieren). Deshalb habe ich diesen Blog eröffnet. Ich habe kein Heilmittel gegen Schreibaby-ismus. Ich kann (und werde) erzählen, was wir versucht haben, um Linus zu helfen. Und wenn ich das hier schreibe, fühle ich mich vielleicht auch nicht mehr so alleine ...

In allererster Linie möchte ich dieses(n?) Blog ins Leben rufen, um über unsere Fortschritte zu berichten. Seit gestern bekommen wir Hilfe von der Schreiambulanz, und ich weiß zwar noch nicht, wo diese Reise hingeht, setze aber große Hoffnungen hinein. Denn wenn das jetzt nichts bringt, fürchte ich, bleibt uns nichts anderes mehr. Und dann werde ich vielleicht doch noch irre.

(Vielleicht bin ich es auch schon, aber alle Welt versichert mir, dass ich mich wacker schlage, und ich bin geneigt, dem Glauben zu schenken. Ich habe ja das allerwichtigste in mir: Die abgöttische Liebe zu meinem brüllenden Rabauken.)

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1 Comment


Recommended Comments

Ja, die Definitio ist absolut bescheuert! Manchmal reicht es ja schon, wenn dein Kind an 1 Tag in der Woche 1Stunde am Stück schreit, kommt eben drauf an wann den Eltern die Nerven blank liegen :-)

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